Unsere Arbeitsweisen

Kollektive Führung hat sich bei uns aus einer Kombination von kognitiven Ansätzen mit experimentellem Lernen entwickelt. Wir haben verschiedene Systeme ausprobiert, um uns zu organisieren (z.B. Holacracy, Kanban, Management 3.0 uvm) und in mehreren Feldern eine Expertise erarbeitet (z.B. klassische Psychologie, gewaltfreie Kommunikation uvm.). Und dann haben wir munter kombiniert und experimentiert. Als wir uns in einer Form der kollektiven Führung gefunden hatten, haben wir einen Moment inne gehalten und versucht die Arbeitsweisen aus den vergangenen 12 Monaten Zusammenarbeit zu extrahieren, die uns besonders produktiv gemacht haben. Und so entstanden unsere Arbeitsweisen.

 

Raum für Energie statt Zeitdruck

In Deutschland (und vielen anderen Ländern) sind wir oft nach unserem Kalender und der Uhrzeit organisiert. Wir wollen zu bestimmten Uhrzeiten anfangen zu arbeiten und zu bestimmten Uhrzeiten beginnen und enden Meetings. Das ist eine hohe Qualität, die auch wir immer wieder nutzen. Die Arbeitsweise, die uns eine Ebene weiter gebracht hat, ist es, unseren Arbeitsalltag neben der Agenda wie ein Kontinuum an Möglichkeiten zu sehen. Wenn gerade eine zwischenmenschliche Spannung mitten im Meeting auftaucht, dann ist es manchmal das Intelligenteste sich dieser Spannung anzunehmen. Die geplante Agenda erledigen wir dadurch vielleicht nicht, aber als Gesamtsystem haben wir es geschafft eine Spannung zu lösen, die uns das Arbeiten hinterher erleichtert. Auf einen längeren Zeitraum betrachtet, sind wir so also effektiver. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Gruppe aufteilt und eine Gruppe den Konflikt bearbeitet und ein anderer Teil am Inhalt weiter arbeitet. Wichtig ist auch, dieses beschriebene Vorgehen nicht zum Mantra zu erheben, sondern immer wieder aufmerksam zu schauen, ob gerade ein Moment ist, dem Konflikt oder der inhaltlichen Arbeit zu folgen. Wir verhindern mit dieser Arbeitsweise, dass Pläne unsere Aufmerksamkeit für kreative Momente und Lernen einschränken. So bleiben wir in der höchsten Produktivität und nicht nur an einem Plan dran. Hatten wir Montags beschlossen an einem Thema zu arbeiten, aber jemand kommt voller Inspiration aus dem Wochenende für ein anderes Thema, dann ist es für uns eine Verschwendung diesem inspirierendem Thema nicht nachgehen zu können. So eröffnen sich ebenfalls Räume für zwischenmenschliches Sein, so dass wir als ganze Menschen bei der Arbeit sein können.

 

Weisheit statt Ego

Als eine Gruppe von Idealisten ist es Teil unserer DNA; die Sache selbst und nicht uns selbst oder unsere Anerkennung in den Vordergrund zu stellen. Jedoch sind wir alle nur Menschen und es ist völlig natürlich, dass es Momente gibt, in denen das Ego versucht ungesund  Raum einzunehmen. Wir unterstützen uns gegenseitig dabei, damit dies nicht passiert. Wir haben eine unterstützende Kultur, bei der es ein fundamentaler Wert ist, zusammen am jeweiligen Ego zu arbeiten. Durch diese dauerhafte Unterstützung schaffen wir es das Ego gesund zu integrieren und aus etwas zu sprechen, dass wir “Weisheit” nennen.

 

Verantwortliche Freiheit im Kontext des Ganzen statt starrer Regeln

Eine der oft als erstes wahrgenommenen Teile unserer Arbeitsweisen, ist eine hohes Maß an Freiheit. Viele Menschen sind anfangs irritiert davon und manche überfordert mit der Frage, was sie wirklich wirklich im Leben oder in einem Moment wollen. Wir achten in der Zusammenarbeit darauf, was gerade unser innerer Impuls ist und trainieren die Fähigkeit zu erkennen, woher der Impuls kommt. Ist es ein erlerntes Muster, das wir bedienen, ein ungesundes Ego, das sich Raum verschaffen will oder eine inspirierende, schöpferische Kraft? Es ist ein befreiendes Gefühl in einem Meeting zu sitzen und ungesunde Muster und nicht laute Egos zu fühlen, sondern inspirierte Menschen. Wir verlangen in unserer Kultur von uns selbst und anderen völlige Selbstverantwortung. Jeder bei uns ist für sich verantwortlich und auch für das eigene Wohlbefinden. Spannungen äußern, Meetings verlassen, Schlafen, wenn zu viel gearbeitet wird. Niemand kann sein Verhalten auf Regeln schieben, sondern ist immer gefordert selbst zu entscheiden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen damit eine Herausforderung haben, erst einmal zu erkennen, was sie brauchen und sich darum selbst zu kümmern.

Aus der gelebten Praxis: Manchmal kippte diese Möglichkeit in eine Ego-Show, nur noch den eigenen Impulsen zu folgen, denn das verlangen wir ja. Deshalb haben wir den Zusatz “im Kontext des Ganzen” hinzugefügt. Ich kann aus einem Workshop gehen, wenn ich eine Pause brauche, und ich blicke auf den Kontext und was das mit dem Kontext macht, wenn ich plötzlich aufstehe und gehe. Erst dann entscheide ich. Beide Komponenten sind Teil dieser Arbeitsweise.

 

Mission statt Ablenkung

Wir unterstützen uns gegenseitig unsere Mission im Leben zu finden und zu leben. Das geht so weit, dass wir unsere wertvollsten Mitarbeitenden dabei unterstützen uns zu verlassen, wenn wir merken, dass sie einer anderen Vision im Leben folgen wollen. Oft lenken wir uns von unseren Träumen durch Gehälter, Sicherheit, gefühlte soziale Verpflichtungen oder anderes ab. Wir unterstützen uns auch in den “schwachen” Momenten, in denen wir nicht nach unseren Träumen leben und wir begleiten uns in unser Potenzial zu kommen und uns nicht abzulenken.

 

Unterschiede wertschätzen statt ausblenden

Viele Arbeitsweisen lesen sich für Außenstehende vielleicht utopisch. So lebt ihr? Wir haben es über die letzten 7 Jahre nicht immer geschafft genau so zu leben und zu arbeiten, aber in der Regel schon. Denn die Arbeitsweisen sind ja aus der Retrospektive und nicht als Ziele entstanden. Natürlich gibt es Spannungen zwischen uns. Unterschiedliche Herangehensweisen, Denkmodelle, Momente, in denen es kein gemeinsamer Flow ist, Eifersucht oder was auch immer für Gefühle zwischen Menschen auftreten. Auch bei uns treten solche Prozesse auf. Wir verfolgen den Ansatz , dass wir niemals so tun, als ob es diese Konflikte nicht geben würde. Sondern wir nutzen diese Konflikte konstruktiv. Es ist unsere Grundhaltung, die uns im Team verbindet, dass wir uns wertschätzen, egal wie unterschiedlich wir sind. So lassen sich auch die schwierigsten Themen bearbeiten.

 

Dynamische Entscheidungen statt Lähmung

Unsere Art Entscheidungen zu treffen enthält viele Anteile von Holacracy. Wir treffen Entscheidungen mit der Einstellung, dass jede Entscheidung jederzeit wieder verändert werden kann. Wir treffen Entscheidungen, auch wenn nicht alle Menschen anwesend sind und wir holen die Meinungen aktiv ein, die unsere Meinung ergänzen können. So verhindern wir in einer dezentralen Organisation ohne festes Büro gelähmt zu werden.

Unsere Arbeitsweisen hat Britta Tondock visualiert.

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