Betriebsklima Arbeitswelt

Wenn das Betriebsklima schief hängt

Viele von uns wollen effektiv arbeiten und die eigene Wirksamkeit erleben. Sobald jedoch das Betriebsklima nicht mehr entspannt ist, leidet auch oft die Wirksamkeit. Manchmal nehmen wir die Stimmung mit nach Hause und wälzen zu Hause Gedanken weiter. Aber soweit sollte es gar nicht kommen. Denn eines ist klar: Wer effektive Teams haben will, muss sich um die psychologische Sicherheit eines jeden einzelnen kümmern. Dabei eine gesunde Kommunikation untereinander pflegen und damit ein wohlwollendes Betriebsklima unterstützen.

Außergewöhnliche Ergebnisse erzielen – aber wie?

Wenn wir extraordinäre Ergebnisse haben wollen, dann brauchen wir sogar ein Miteinander, in der wir als ganzer Mensch da sein dürfen: mit all unseren Gefühlen, Werten, Bedürfnissen und Intelligenzen. Eine Umgebung, in der wir uns jenseits unserer Masken authentisch, berührend und ehrlich begegnen können. Informationen werden dort transparent geteilt, es gibt frühes Feedback, Vertrauen wird gefördert, Wertschätzung wird gelebt und das Potential des einzelnen und der einzelnen gefördert. Verletzlichkeit ist dann kein Tabu mehr. Was passiert, wenn wir weiterhin im Job die perfekte Mitarbeiter*in-Maske tragen, einen Teil des eigenen Selbst verdrängen und unsere Energie in beispielsweise Absicherungsverhalten, Dominanz, kontrollierter Sprache, Selbstkontrolle und stereotypisiertes Verhalten fokussieren? – Dann wird ein Teil der kreativen und individuellen Intelligenz dafür verwendet und gebunden. Sie steht dann der Organisation als Intelligenz nicht mehr zur Verfügung.  

Was wir sowieso wollen

Aus einer anderen Perspektive gesprochen: Wir haben einfach Lust mit Freunden und uns wohlgesinnten Menschen zu arbeiten. Wir haben Lust, so zu sein, wie wir eben sind. Und wir haben Lust uns zugehörig zu fühlen und gesehen zu werden. Deci und Ryan beschreiben es auch als „soziale Eingebundenheit“. Und dieses Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, ist eines unserer tiefsten menschlichen Grundbedürfnisse.

“Betriebsklima hacks”

Wie können wir nun ganz pragmatisch unser Betriebsklima und das Gefühl von Zugehörigkeit im ganz konkreten Arbeitsalltag verbessern? Das Betriebsklima ändert sich nicht über Nacht, aber mit jeder einzelnen Handlung tun wir etwas, um es zu verbessern oder zu verschlechtern. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Heute eine Handlung, morgen eine weitere…und dann ist sie da: die schleichende Veränderung. Plötzlich ist dort Entspannung, wo es vorher zwischen Menschen angespannt war. Viele kleine Taten haben dazu geführt. Taten, die ein wenig mutig waren. Da hat sich jemand mehr verletzlich gezeigt. Hier hat jemand mehr Wertschätzung ausgesprochen als gewohnt.

Und genau das ist der Weg: sich berührbar zeigen, sich aussprechen, sich kennenlernen, sich wertschätzen, sich bei Problemen unterstützen. „Ich war beeindruckt von dir.“ „Ich mag an dir.“ „Ich sehe dich so und so“. „Manchmal traue ich mich bei dir nicht….“. „Wie kann ich dich in der Sache unterstützen…“

Dies kann jede*r einzelne tun unabhängig wo er/sie ist. Sich berührbar zeigen in der Kaffeepause, über den Schreibtisch hinweg, beim Mittagessen oder jemanden mal kurz zur Seite nehmen. Das ist unsere eigene Selbstwirksamkeit, die wir unabhängig von anderen und dem bereits bestehenden Betriebsklima machen können.

Im Kleinen Strukturen verändern

Ein weiterer Schritt ist, dass wir Maßnahmen in die Arbeitsstrukturen einbauen können. Ein Check-in vor jedem Meeting, in dem jede*r kurz Zeit hat zu sagen, wie es ihm/ihr geht bevor man gemeinsam arbeitet, wirkt in manchen Teams Wunder. Ein weiterer Schritt ist sogenannte gemeinsame Tribe-Zeit. Dies ist eine Zeit, in der es nur um persönliche Themen geht. Ein einfaches Format wäre z.B.: Jede*r ist einmal dran zu einer bestimmten Frage etwas zu erzählen. Dabei hat jede*r 5 Minuten Zeit zum Reden und bekommt danach 2 Minuten wertschätzendes Feedback von den anderen. Danach ist der/die nächste dran. Das Format eignet sich gut für eine Gruppengröße von 3-5. Dieses Format ändert oft Stimmungen untereinander innerhalb von 20 Minuten! Wir haben das in vielen Teams erlebt und machen es erlebbar (sprecht uns dazu gerne an).

Der Wert von Wertschätzung

Wir Menschen wünschen uns so sehr Wertschätzung (nicht nur vom Chef) und bekommen sie im Alltag oft zu wenig. Es ist ein Grundbedürfnis und lässt uns innerlich wachsen und auch mutig werden. Wertschätzung und Wertschöpfung sind sehr nah miteinander verknüpft. Denn in einem guten Klima arbeiten wir meistens auch besser. Eine weitere Möglichkeit ist es auch, in den bereits bestehenden Retrospektiven intimer und mutiger zu sein. Einerseits indem man mutigere Fragen stellt, andererseits einfach mutig von sich selbst reflektiert. “Sind wir wirklich miteinander verbunden?” “Interessieren wir uns füreinander?” “Wie würde unser nächster Sprint aussehen, wenn wir wirklich aufeinander achten?” Und nicht zuletzt kann man sich einen externen Coach holen, um von ihm liebevoll herausgefordert zu werden.

Neue Arbeit heißt neue Wege finden

Dieser Leitsatz gilt auch in der Berührbarkeit zwischen uns Menschen. Immer wieder neue Wege finden diese Berührbarkeit im alltäglichen Miteinander aufblühen zu lassen. Denn diese macht nicht nur Spaß, sondern lässt auch unsere kollektive Intelligenz aufblühen und die Wahrscheinlichkeit ungeahnter, spontaner Lösungen erhöhen.

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